Verweile doch (ein Abgesang)

Eröffnung: Sonntag, 29. Januar, 11 Uhr
Begrüßung: Burkhard Jasper, Bürgermeister der Stadt Osnabrück
Einführung: Dr. Julia Draganović, Direktorin der Kunsthalle Osnabrück
Pressetermin: Freitag, 27. Januar, 11 Uhr

„Verweile doch (ein Abgesang)“ – diese erste institutionelle Einzelausstellung des kolumbianischen Künstlers Icaro Zorbar in Europa ist der Auftakt des Kooperationsprojekts  „Danse Macabre“, zu dem sich das  Theater Osnabrück, das Felix-Nussbaum-Haus, das Diözesanmuseum und die Kunsthalle Osnabrück zusammengeschlossen haben. Die Ausstellung wird am Sonntag, 29. Januar, 11 Uhr in der Kunsthalle Osnabrück (Hasemauer 1) eröffnet.

Der kolumbianische Künstler Icaro Zorbar verwandelt alte Plattenspieler, Tageslichtprojektoren, Spieluhren, Ventilatoren und  andere Technikrelikte in minimalistische Kosmologien und transformative Dekonstruktionen. Die Faustische Anspielung des „Verweile doch! Du bist so schön!“ deutet Zorbar in ein  künstlerisches Bekenntnis zur Entschleunigung um. Die ortsbezogenen Installationen im ehemaligen Kirchenraum sind ein Versuch, sich den offenkundigen Krisenphänomenen des 21. Jahrhunderts durch Transparenz, Analyse und Offenlegungen zu nähern. Die z. T. aus internationalen Sammlungen und Museen entliehenen Kunstobjekte des 39-jährigen Künstlers geben dem Publikum die Gelegenheit, sich mit den Konstruktionsplänen des  analogen Zeitalters zu beschäftigen, sie machen Beteiligung und Partizipation möglich.

Icaro Zorbar, Verweile doch (ein Abgesang), Installationsansicht, Aufbau, Kunsthalle Osnabrück, 2017

Die Ausstellung „Verweile doch (ein Abgesang)“ in der erneut verdunkelten ehemaligen Dominikanerkirche will Reflexionen über Alterungsprozesse von Technologien, Gesellschaften und Epochen anregen. Icaro Zorbar legt dafür die Schaltpläne der Zeit und des Vergänglichen offen, auch um mit dem Publikum sein Wissen um die Verlangsamung von zeitlichen Prozessen zu teilen. Motivisch werden dafür planetarische Konstellationen, tragische Liebesbeziehungen und Weltzeituhr-Maschinen akribisch inszeniert, auch um zu zeigen, wie Zeit vergeht. Stets ohne die Lötspuren zu verschleifen. Berührend poetisch sind Icaro Zorbars Phänomene des Downsizings: etwa wenn er dem Pluto nachtrauert, dem 2006 der Planetenstatus aberkannt wurde. Angesichts dieses Planetenverlusts und der Degradierung zum Zwergplaneten, scheint alles Minimalistische ins Gigantische wachsen zu wollen.

Icaro Zorbars installative Choreographien sind stets auch als Phänomenologie des Tanzes als Selbstbewegung zu lesen. Als einfach anmutende Umbauten analysieren sie das Verhältnis von Tempo, Bewegung und Musik. Auf visueller Ebene erzeugt Zorbar an modernen Tanz erinnernde Zeitlupen-Phänomene von minimalistischer Präzision, die doch Raum für den Zufall und vor allem für Veränderung durch Zeit lässt. Die Projektionsinstallationen schaffen sonderbar-fremdgesteuerte Kreaturen und Flugobjekte. Der Kombinatorik sind keine Grenzen gesetzt. Alles scheint mit allem verbunden werden zu können. Zorbar schafft Reanimierungs-Szenarien, die der Digitalisierung als Paradigma misstrauisch entgegenstehen und ihr dennoch ausgesetzt sind. Widerständig der Versuchung trotzend, die „gefahrvolle“ Epochenschwelle zu übertreten: Ihr leises Plädoyer „Wir bleiben analog.“ erinnert an das selbstbewusste Abschalten der Fremdsteuerung (2001: Odyssee im Weltall). Angstvoll schwindet die Erinnerungsfähigkeit für die Phänomene der verlorenen Zeit …

Icaro Zorbar, Verweile doch (ein Abgesang), Installationsansicht, Aufbau, Kunsthalle Osnabrück, 2017

Here am I floating round my tin can
Far above the World
Planet Earth is blue
And there’s nothing I can do
(Space Oddity by David Bowie)

Icaro Zorbar wurde 1977 in Bogota, Kolumbien geboren, absolvierte dort ein Bachelorstudium im Bereich Film und Fernsehen und einen MFA in Bildender Kunst. Derzeit setzt er seine Studien an der Kunstakademie in Bergen (Norwegen) fort. Seine Biografie umfasst Ausstellungen in Lateinamerika, den USA und Europa. Seine Installationen wurden u.a. im New Museum in New York und der Sao Paolo Biennale gezeigt. Sie befinden sich in internationalen Sammlungen wie dem Mudam Luxemburg und der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary in Wien.

Die Ausstellung in der Kunsthalle wird von dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Das Programm der Kunsthalle entsteht in Zusammenarbeit mit den Freunden der Kunsthalle Osnabrück e.V.

Presse:
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Kunsthalle
Osnabrück

Kontakt

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kunsthalle@osnabrueck.de

Ort

Kunsthalle Osnabrück
Hasemauer 1

49074 Osnabrück

Öffnungszeiten

Di 13–18 Uhr, Mi bis Fr 11–18 Uhr, Sa/So/Feiertage 10–18 Uhr Zweiter Donnerstag im Monat 11–20 Uhr